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The Fat White Family - Swutscher | Berlin


543
30
мая
21:00

Musik & Frieden
Falckensteinstr. 48 10997 Berlin Germany
Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Musiker mit Kante, Eigensinn und Unangepasstheit haben in England eine lange Tradition, und das Sextett The Fat White Family aus den Londoner Arbeiter-Stadtteilen Peckham und Brixton schlägt punktgenau in diese Kerbe. In ihren Texten und Videos konfrontieren sie ihre Hörer mit unbequemen Wahrheiten über die postmoderne Gesellschaft. Ihr Sound kennt keine Beschränkungen und zitiert fröhlich und unverblümt aus fünf Jahrzehnten Musikhistorie, während ihre Konzerte nicht selten im spontan inszenierten Chaos enden. Ein englisches Magazin bezeichnete die Fat White Family als „krank, nicht im Sinne von schräg oder überdreht, sondern im echten Wortsinne – dabei aber gleichzeitig brillant“. Ähnliche Äußerungen vernahm man nun auch wieder rund um die Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Songs For Our Mothers“, einer mutigen, kontroversen Sammlung aus Stilzitaten, kompositorischer Frechheit und scharfzüngigen Texten. Am 30. und 31. Mai kommen The Fat White Family für zwei Konzerte in Berlin und Köln nach Deutschland, um die Songs ihres neuen Albums live vorzustellen.

Es war eine für sie geradezu exemplarische Reaktion: Als man der Fat White Family ihren ersten Newcomer-Preis verleihen wollte, nutzten sie die damit verbundene Öffentlichkeit, um Preisvergaben im Kulturbetrieb generell als Schwachsinn abzutun. Es gehe dabei nicht um Künstlerförderung, sondern lediglich um die ausgiebige Selbstbeweihräucherung von Branchen-Insidern. Nur ein Beispiel unter vielen, das dazu dienen kann, den herrlichen Eigensinn des Sechsers zu beschreiben, mit dem sie in ihrer englischen Heimat seit 2012 für Furore sorgen.

Bereits ihr Name verweist auf gleich mehrere Ungehörigkeiten: Das „Fat“ stehe sinnbildlich für die Sattheit des modernen Menschen und seine Unfähigkeit, gegen Missstände aufzubegehren, die Nennung einer Rassenzugehörigkeit im Bandnamen gilt ganz generell als bewusste Provokation, und das „Family“ erinnert nicht nur zufällig an die einstmals prominente Gruppe von Serienmördern rund um Charles Manson. Auch im Titel ihres ersten, 2013 erschienenen Albums „Champagne Holocaust“ drücken sich zwei signifikante Pole der postmodernen Gesellschaft aus – und es beschreibt gleichzeitig in schwarzer Satire, wie die Fat White Family den allgemeingültigen Konsumterror empfindet.

Man wolle aufrütteln, anregen und Fans zu bewussteren, achtsameren Menschen erziehen, sagt das Sextett, das sich seinen eigenen Antrieb aus jahrelangen, verbissen geführten Arbeiter- und Klassenkämpfen zieht. Seit sie nun gemeinsam Musik machen, nutzen sie ihre Kunst als weiteres kreatives Vehikel für ihre Agitationen. Davon berichtet auch jeder einzelne Song ihres zweiten, Ende Januar veröffentlichten Albums „Songs For Our Mothers“: Es gibt Stücke, die über den grassierenden Heroin-Missbrauch in der britischen Mittelschicht erzählen, und andere, die die letzten Tage von Adolf Hitler im Führerbunker thematisieren – letztlich als symbolhaftes Bild für ihren eigenen Kampf um ein hervorragendes zweites Album. Welches, neben den bereits bekannten Zutaten, aus psychotischem Rock, dunklem Blues, treibendem Rock'n'Roll, knarzendem LoFi und brodelndem Glam-Funk nun auch überraschende Zitate der Disco-Musik aus der Giorgio Moroder-Ära enthält.

Was die Fat White Family, bestehend aus Sänger Lias Saoudi, den Gitarristen Saul Adamczewski und Adam J Harmer, Bassist Joe Pancucci, Keyboarder Nathan Saoudi sowie Drummer Jack Everett, aber letztlich zu einer der aufregendsten Bands der Gegenwart macht, ist indes ihre musikalische Performance. Zur wahren Macht gerät das Sextett aber erst im Konzert, die nicht selten Züge einer Kunst-Performance zeigt. Hauptsache es ist wild, eruptiv, ironisch und satirisch, unkontrolliert und freigeistig. Damit erzeugen sie gleich reihenweise Shows, über die im Anschluss gesagt wird, dass man das niemals vergessen wird. Das wohl größte Kompliment, das man einem Live-Künstler machen kann.

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